„Der Gott der Geduld“ schreibt Paulus in Römer 15,5. Gott kann warten, Er drängt sich niemand auf, Er zwingt uns nicht und bestraft uns nicht, wenn wir nicht 'sofort kommen'. Und das griechische Wort für Geduld beschreibt es noch ein wenig deutlicher: geduldig sein heißt, unter einer Last zu bleiben. Darunterbleiben, Aushalten, dass etwas eben immer noch nicht eingetreten ist.
Gott drängt sich nicht auf, so sehr Er nach unserer Nähe verlangt, so sehr Seine Liebe zu uns drängt – Er wartet und lädt ein.
Gott sieht auch unser eigenes Sehnen, unser religiöses Bemühen, aber Er wartet auf den Moment, wenn wir wirklich bereit sind. Und manchmal dauert es bei mir sehr lange, bis ich mich ganz darauf einlassen kann, dass Er auf Seine Weise kommt.
Ein tröstlicher Gedanke ist, dass meine versäumten Jahre sehr kurz sind im Vergleich zur Ewigkeit.
Gott wartet aber nicht untätig. Er versucht immer wieder, in unser Blickfeld zu kommen, und sich uns quasi zuzuwenden: 'Hallo, erkennst du Mich nicht?' – Allerdings sieht das oft so zufällig aus, so natürlich und unscheinbar. Vielleicht liegt es an mir, ob ich darin Sein Warten und Sehnen erkenne.
„O Gott, wartest Du wirklich auf mich? Bin ich Dir so wichtig, dass Du Warten kannst? Ich ahne Deine Liebe, die sich nicht aufdrängen will, ja kann. Um so mehr will ich achtsam werden, Deine Anrufe zu erkennen und darauf einzugehen. Danke für Deine unvorstellbare Geduld.“
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