Vor einigen Jahren schenkte mir ein Freund eine kleine englische Schrift mit dem Titel "Flatland" aus dem Jahr 1884. Ich habe damals zu Weihnachten von meinem Erleben mit diesem Heft erzählt.
Wir leben so selbstverständlich im Raum mit seinen drei Dimensionen. Hier sind wir zuhause. Aber die Vorstellung, dass es eine Welt geben könnte, die nur zwei Dimensionen kennen würde, ja, dass verschiedene solcher Flächenländer zueinander geneigt existieren könnten im dreidimensionalen Raum, macht mich immer wieder vorsichtig, wenn ich an die eigenen Grenzen des Erkennens denke. Was für mich wie absolut gegeben erscheint, könnte genau so gut ein Sonderfall in einer höheren Dimension sein.
Es ist verständlich dass die Bewohne von Flatland in dieser Geschichte ihren Zeitgenossen „Square“ argwöhnisch und feindselig betrachten und schließlich in die Psychiatrie stecken. Offensichtlich ist es gefährlich, weil für die Zuhörer bedrohlich, wenn jemand von höheren Erfahrungen spricht und sich von seiner Überzeugung nicht einfach abbringen lässt.
Mir hat es geholfen, daraufhin viel leichter anzuerkennen, dass Gott mindesten eine, wenn nicht mehrere Dimensionen über unserer Erfahrungswelt lebt. Wir sind gebunden an Raum und Zeit – Gott kann beide überschauen und in Seinen Händen halten, wie wir es uns nicht vorstellen können. Bei den modernen Erkenntnissen der Weltraumforschung stoßen wir auf Zusammenhänge, die unser irdisches Denken weit übersteigen. Was vor hundert Jahren als feste Größen gegolten hat, erscheint heute nach höheren Gesetzen in ganz neuer Gestalt.
Für unseren Alltag ändert sich daran erst einmal nichts. Da bleibt links und rechts, oben und unten, wie wir es kennen. Und die Entfernungen sind auch wie sie immer waren.
Im Blick auf die unfassbare Ausdehnung des Universums und die dort geltenden Zusammenhänge und Wechselwirkungen erscheint unsere kleine Erde im Sonnensystem doch als sehr geborgener Ort und Wohnraum für uns Menschen. Aber wir verstehen nun vielleicht besser, warum verschiedene Menschen die Welt so unterschiedlich wahrnehmen, auf Grund ihrer persönlichen Prägung und Geschichte. Jede Sicht hat auch ihre Berechtigung. Doch wäre es gut, wenn wir immer mehr anerkennen würden, wie begrenzt unser eigenes Verständnis immer ist.
Für uns Menschen auf Erden ist die Zeit ungreifbar und nicht zu beeinflussen. Sie läuft einfach ab und hat nichts mit mir zu tun. Ich bin zwar in den Ablauf einbezogen, lebe aber nur im Augenblick der Gegenwart. Mein Horizont ist eben nur im Flatland.
Für das, was auf mich zukommen mag, habe ich kein Organ – sehen und hören kann ich nur, was gerade jetzt passiert. Das ist eben die Grenze von Flatland.
Aber auch in Flatland kann ein Sinn erwachen, der Höheres ahnt. Mehr noch! Aus höherer Dimension kann ein Eindruck kommen, der meinen Sinn nach oben zieht. Flatland kennt an sich kein “Oben”, auch wenn dies ganz real existiert.
Auch die Zeit ist für Flatland-Bewohner flach. Für uns im persönlichen Erleben ist sie unbeirrbar linear.
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